Wasser suchen ohne Wünschelrute

Wasser suchen ohne Wünschelrute

Frage:
Es kam eine telefonische Anfrage bei uns an vom Nacheigentümer des Hofs, den wir kürzlich verkauft haben, ob wir einen Wünschelrutengänger wüssten, der Wasser sucht, weil am Hof Wasserknappheit herrscht.
Wir wollten ihm nicht sagen, dass wir das für okkult halten und ablehnen, weil wir der Meinung sind, das hätte eh nicht viel gebracht, so haben wir (nur) gesagt, dass wir keinen wüssten.

Ich richte mich an das Fragenportal weniger wegen einer geistlichen Frage als vielmehr wegen einer praktischen Fachfrage. Vielleicht weiß ja jemand Bescheid.
Wie kann man Wasser suchen und finden ohne Rutengänger? Also auf einem Weg, den der Herr gutheißt und segnen kann.

Antwort:
Vielleicht sollte man sich vor Augen halten, dass die meisten Menschen, die auf dieser Erde erfolgreich Wasser suchen, keine Wünschelrute oder derartige Dinge benutzen.
Für sie ist das Auffinden von Wasser eine Frage des Überlebens. Sie beschäftigen sich deshalb wesentlich intensiver mit der Frage und besitzen einen großen Erfahrungsschatz. Dazu gehören Fähigkeiten, wie etwa das Lesen der geologischen Besonderheiten einer Landschaft, das Erkennen winziger Abweichungen im Pflanzenwuchs, Beobachtungen der Verhaltensweisen von Tieren usw.

Mit dem verloren gegangenen Bezug zur Natur sind dem modernen Menschen auch all diese Beobachtungen und Fähigkeiten verloren gegangen, und er greift heute auf höchst fragwürdige Methoden und Mittel zurück, wie z.B. Wünschelrutengehen, Pendeln usw.

Die Bibel zeigt uns Gottes Gedanken im Hinblick auf diese Praktiken und vergleicht diese geistliche Haltung mit Hurerei:

Hosea 4,12: Mein Volk befragt sein Holz, und sein Stab tut es ihm kund; denn der Geist der Hurerei hat es irregeführt, und, ihren Gott verlassend, huren sie.

Gottes Wort lehnt solche Praktiken entschieden ab, da es sich dabei um irreführende geistliche Mächte handelt, durch welche Menschen von Gott und seinem Wort abgewandt und betrügerischen Einflüssen ausgesetzt werden. Und zwar umso effektiver, umso öfters solche Methoden „funktionieren“!

Wie geht man also vor, wenn man die Geister nicht rufen, sprich sich nicht auf solche Para- bzw. Pseudowissenschaften einlassen möchte, wie eine angebliche „Strahlenfühligkeit“?

Um Grundwasser zu finden muss man vor allem die örtliche Situation gut kennen.

Der Bodenkundler Dr. Bernhard Keil, den ich bei der Beantwortung der Frage zu Rate gezogen habe, erinnerte sich anlässlich eines Besuchs bei mir hier im Burgenland, ziemlich genau an die örtlichen Gegebenheiten. Wir sprachen damals gar nicht über Grundwasser, aber Leute wie er haben ein geschultes Auge und sind aufgrund ihres Wissens in der Lage, geographische Gegebenheiten richtig zu deuten. Bernhard K. schrieb mir aufgrund seiner damaligen, nebenbei gemachten Beobachtungen:

„Wo Du z.B. wohnst befindet man sich im Talbereich.“ (Zur Erklärung: Ich wohne auf 300m Höhe, und in einer Entfernung von rund 1,5 km steigt die Gegend rundherum um 50 Höhenmeter an. Lediglich im Süden meines Grundstücks gibt es keine nennenswerte Höhenunterschiede.) „Würdest Du dort in die Tiefe bohren, würde man sicherlich auf dauerhaftes Grundwasser treffen. Ich meine mich zu erinnern, dass Du dort sogar vergleichsweise hohe Grundwasserstände und „viel Wasser“ haben musst.“

Das Prinzip ist klar: Auf einer Anhöhe, wo vielleicht sogar der nackte Fels zutage tritt, hat man bei der Suche nach Grundwasser naturgemäß weniger Aussicht auf Erfolg als in Talbereichen.
Es kommen aber noch manch andere Aspekte hinzu. Nachfolgend zitiere ich Dr. Bernhard Keil: „Das Grundwasser ist in Abhängigkeit vom Zufluss natürlichen Schwankungen unterlegen (Niederschläge, Größe des Einzugsgebiet usw.).
Im Winter steht es höher an als im Sommer. Im (trockenen) Sommer, wenn es von den Pflanzen benötigt wird, fällt es oft so tief, dass es von diesen nicht mehr genutzt werden kann; der hohe Grundwasserstand im zeitigen Frühjahr wirkt sich hingegen auf das Pflanzenwachstum häufig sogar negativ aus.

Mit dem Vorhandensein von Grundwasser beschäftigt sich vor allem die Hydrogeologie. In Abhängigkeit von den örtlichen Verhältnissen (Geologie, Boden, Ausgangsgestein und dessen Wasserleitfähigkeit sowie Wasserspeichervermögen, Geländegestaltung usw.) können auch genaue örtliche Aussagen gemacht werden.

Hinsichtlich des Grundwassers existieren heute entsprechende Informationssysteme, die auch über das Internet eingesehen werden können. Ein entsprechendes Geografisches Informationssystem stellt etwa „DORIS interMAP“ des Bundeslandes Oberösterreich dar. Dort können etwa im Bereich „Wasser und Geologie“ die Tiefenlagen von Grundwasser-Schichtlinien und von Grundwasser-Stauer abgefragt werden. Die Ergebnisse werden in einer Karte angezeigt.


In dem Beispiel (siehe Bild; zum Vergrößern anklicken) sind die Tiefenlinien des Grundwassers blau und die Tiefenlinien der Grundwasserstauer in rot eingetragen.

geo-bild

Der Bereich Wasser und Geologie kann über folgenden Link eingesehen werden:
http://doris.ooe.gv.at/viewer/(S(s031svn1vmr2h545sd4khxin))/init.aspx?ks=alk&karte=wage

Offensichtlich ist davon auszugehen, dass entsprechende Daten auch für das Burgenland zur Verfügung stehen. Für die Nutzung muss dort jedoch eine kostenfreie Benutzerregistrierung („Benutzerkonto“). angelegt werden. Siehe dazu etwa den Link https://geodaten.bgld.gv.at/de/gis-infos/benutzer/registrieren.html. Ob dort auch Informationen zum Grundwasser abgelegt sind, kann ich nicht sagen.

Informationen zum Thema Grundwasser stellt auch die Wirtschaftskammer Burgenland zur Verfügung. Dazu siehe auch http://portal.wko.at/wk/format_detail.wk?angid=1&stid=466213&dstid=681&titel=Wasser%2C-%2CGrundwasser.

Ich schlage vor, sich mit einem Spezialisten der Verwaltung in Verbindung zu setzen und abzuklären, ob im konkreten Fall mit oberflächennahem Grundwasser zu rechnen ist. Er kann Hilfestellung geben, um etwa auch eine geeignete Stelle für eine Bohrung vor Ort zu finden. Im ungünstigen Fall gibt es möglicherweise jedoch keine Möglichkeit zum Grundwasseranschluss. Bei welcher Verwaltung ein solcher Spezialist (z.B. Hydrogeologe) angesiedelt ist, kann auch nach dem Aufbau der Administration sehr unterschiedlich sein. Dies kann beim „Wasserwirtschaftsamt“, bei dem „geologischen Landesdienst“ oder möglicherweise auch bei der „Landwirtschaftsverwaltung“ der Fall sein.

In Betracht zu ziehen sind auch freischaffende Ingenieurbüros, die sicherlich schnell eine Einschätzung abgeben können, ob Grundwasser gefunden werden kann oder nicht, bevor man in große Untersuchungen einsteigt. Möglicherweise besitzen auch entsprechende Fachfirmen, die Brunnenbohrungen durchführen, das entsprechende Know-how und können eine Einschätzung bzw. Beratung geben.

Hinsichtlich der Wünschelrute neige ich eher dazu, klar Stellung zu beziehen und die Dinge beim Namen zu nennen. Ich halte den Einsatz der Wünschelrute für „No Go“. Mir käme ein Wünschelrutengänger mit seiner Wünschelrute nicht auf mein Grundstück. Ich würde auch keinen Hydrogeologen zu Rate ziehen, der selbst mit der Rute experimentiert. Leider sind wir Westeuropäer bei diesem Hokuspokus anfällig.

Wichtig ist auch die Ergiebigkeit eines Brunnens oder einer Bohrung.

Bei einer Bohrung muss so tief gebohrt werden, dass ständig grundwasserführende Schichten erreicht werden. Teils gibt es auch mehrere Grundwasserstockwerke übereinander. Die Qualität des Grundwassers wird auch von dem Gestein beeinflusst. Kalksteine führen zu hoher Wasserhärte, was sich in der Waschmaschine, der Kaffeemaschine usw. durch Absetzen von Kalkausfällungen negativ bemerkbar machen kann. Andererseits sind die „Mineralien“ im Grundwasser auch wertvoll und lebensnotwendig; mit destilliertem Wasser käme man nicht weit. Mineralien bzw. Stoffe im Grundwasser können natürlich auch schädlich sein. Schwermetalle sind natürlich nicht erwünscht.

Es sind aber auch rechtliche Punkte zu beachten, die aber wohl im Burgenland (siehe beigefügtes pdf-Dokument) zu handhaben sind; eine Nutzung eines Brunnens scheint dort wohl weit verbreitet zu sein, zumindest weiter verbreitet als bei uns in Deutschland.“

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