Raubtierzähne vor dem Sündenfall?

Frage:
Wie sah das ”Raubtiergebiss” vor dem Sündenfall aus? Hatten Raubtiere von Anfang an ein Fleischfresser- Gebiss oder eins wie die Pflanzenfresser (z.B. Rehe mit breiten Mahlzähnen)?

Antwort:
Gottes Wort teilt uns unmissverständlich mit, dass der Tod eine Folge des Sündenfalls ist (Römer 5,12). Es wird in dieser Schriftstelle aber auch ausdrücklich gesagt, dass die Sünde durch den Menschen in die Welt gekommen ist.

Darum, so wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben (Römer 5,12)

Wer Gottes Wort bedingungslos glaubt, muss also daran festhalten, dass es z.B. keine Fossilien geben kann, die älter sind als der Mensch, weil der Tod ja erst durch den Sündenfall des Menschen in die Welt kam.

Mit der Sünde war der Tod nicht nur zu den Menschen gekommen, sondern in die Welt. Das bedeutet, in die gesamte Schöpfung. Es ist daher verständlich, dass man sich fragt, wovon sich z.B. fleischfressende Raubtiere vor dem Sündenfall ernährten, und ob ihr Gebiss damals nicht anders aussah.

Nun ist es nicht zwingend, dass die Zähne aller fleischfressenden Tiere anders ausgesehen haben müssen, nur weil sie sich von Pflanzen ernährten. Wir wissen z.B., dass der Riesenpanda scharfe Zähne hat, obwohl er hauptsächlich Bambuspflanzen frisst. (Nur in seltenen Fällen ist zu beobachten, dass Pandas auch kleine Tiere fressen.)
Ebenso hat die Großfledermaus scharfe Zähne, obwohl sie sich nur von Früchten ernährt, und einige Fische, die zur Piranha-Familie gehören, nutzen ihr Kiefer und ihre Zähne ebenfalls ausschließlich für Pflanzen.
Was den Löwen betrifft, so kann dieser in Krisenzeiten auch mit pflanzlicher Nahrung überleben, obwohl sein Verdauungssystem bestens abgestimmt ist auf die Ernährung mit frischem Fleisch.

Doch müssen wir auch berücksichtigen, dass ein Raubtier nicht nur entsprechende Zähne benötigt, um ein anderes Tier zu reißen und Fleisch zu fressen, sondern auch einen präzisen und komplexen Jagdinstinkt mit allen dazugehörigen Fähigkeiten. Wir beobachten in der Tierwelt hoch empfindliche Nervensysteme zur Warnung vor Angriffen, sowie Tarnungs-, Täuschungs- und Verwirrungsstrategien u.v.m.

Es stellt sich deshalb die Frage: Waren die Tiere von Anfang an so geschaffen, dass sie auch in einer gefallenen Welt überleben können? Und wenn sie so konzipiert und geschaffen waren, welche eigentliche Aufgabe hatten diese Funktionen vor dem Sündenfall?

Als gefallene Geschöpfe in einer gefallenen Welt ist es uns für uns schwierig, uns die Welt vor dem Sündenfall mit all ihren Besonderheiten und Details vorzustellen. Hinzu kommt, dass wir selbst nur begrenzte Wesen sind, Kreaturen innerhalb einer Kreation, die nicht über das nötige Wissen verfügen.

Wir können uns aber fragen, ob die Schrift entsprechende Aussagen macht, welche darauf hindeuten, dass mit dem Sündenfall auch biologische Veränderungen stattgefunden haben. Und die finden wir in der Tat! Es gab sie zum Beispiel bei den Menschen. Da wird das physische Sterben des Körpers genannt (1.Mose 3,19), das mit dem Sündenfall in Gang gesetzt wurde. Oder der veränderte Geburtsvorgang, welcher von da an mit Schmerzen verbunden war (1.Mose 3,16).
Dann gibt es Hinweise, dass es auch innerhalb der Pflanzenwelt biologische Veränderungen gab. Es wuchsen von da an Disteln und Dornen (1.Mose 3,18).
Und es wird uns auch von raschen biologische Veränderungen innerhalb der Tierwelt berichtet. So wurde z.B. die Fortbewegungsart der Schlange völlig abgeändert.

Es ist uns natürlich nicht möglich von der Gegenwart auf die Vergangenheit zu schließen, um etwa das Gebiss des Löwen vor dem Sündenfall zu rekonstruieren. Doch die Indizien, die wir in Gottes Wort finden, lassen durchaus berechtigte Rückschlüsse zu, dass es biologische Veränderungen gab.

Zudem macht die Schrift die Sünde und den Fall des Menschen dafür verantwortlich.

Und, auch wenn es manchen verwundern mag, für die raubtierartigen Funktionen haben nicht Mutationen gesorgt, sondern ebenfalls Gott! Er hat diese Strukturen entworfen und geschaffen. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob er die Tiere nach oder bereits vor dem Sündenfall damit ausgerüstet hat, und diese Strukturen bis zum Sündenfall mit anderen, uns nicht im Detail bekannten, Funktionen belegt waren.

Gott, der Schöpfer, hat nach dem Sündenfall des Menschen einen pflanzenfressenden Löwen in rascher Folge zu einem gefürchteten, fleischfressenden Jäger verändert!
Und es wird eine Zeit geben, wo abermals eine wesentliche biologische Veränderung in rascher Folge stattfinden wird, und der Löwe wiederum zu einem pflanzenfressenden Tier wird (Jesaja 65,25). Dann wird die ganze Schöpfung, die jetzt noch seufzt (Römer 8,22), freigemacht von der Knechtschaft des Verderbens (Römer 8,21), und ihr sehnliches Harren zu Ende gekommen sein (Römer 8,19), nämlich bei der Offenbarung des Sohnes Gottes!

Kurt Becker

One thought on “Raubtierzähne vor dem Sündenfall?

  1. In der Antwort werden bereits alle wichtigen Argumente genannt. Auch der Hinweis auf die zukünftigen Veränderungen, wenn der Löwe wieder „Stroh frisst“.
    Ich möchte noch auf einen Artikel hinweisen, der auf eine Forschungsstudie hinweist, die belegt, dass eine nichtmenschliche Primatenart eine andere Primatenart sogar ausrotten kann – und davon profitiert. Es handelt sich dabei um eine Affenart, die sich fast vegetarisch ernähren, sich jedoch auch von tierischem Eiweiß ernähren können und zudem ein fast menschenähnliches Verhalten zeigt.
    Hier der Link zu dem Artikel mit der Überschrift: Ausrottung unter Affen.

    Ein Beispiel vielleicht noch. Was haben die Spinnen mit Ihren Netzen einst angefangen? Heute fangen Sie damit Insekten und töten Sie, um Nahrung zu gewinnen. Wie war es vor dem Fall? Vielleicht haben Sie mit dem Netz fliegende Samen, Pollen oder kleine Früchte gefangen, die Sie als Nahrung verwertet haben. Und ging ein Insekt ins Netz wurde es einfach wieder freigelassen.

    Gott hat den Lebewesen Fähigkeiten gegeben, die sie mittels des Erbgutes an ihre Nachfahren weitergeben. Daran hat sich nichts geändert. Man kann die Gaben natürlich unterschiedlich einsetzen. Man kann mit der Zunge Gott loben oder mit dem Mund liebkosen, aber man kann mit der Zunge auch üble Dinge tun (vgl. Jakobus 3,5 ff) oder mit dem Mund (bzw. den Zähnen) jemanden tödlich verletzen.
    Es fällt uns bereits schwer, uns die vorige Welt, die anders ist als unsere jetzige Welt (vgl. 2.Petru 3,1 ff), vorzustellen. Noch schwer ist es für uns, uns die Welt im Paradies vorzustellen. Ebenso gilt dies für die zukünftige Zeit oder sogar die Herrlichkeit bei Gott!

    Dr. Bernhard Keil


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